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Ich öffne meine Augen und alles
ist verschwommen. Puh, was war das, ich habe doch wahrhaft geträumt,
dass ich sterbe. Verrückt diese Träume, doch zum Glück sind sie
nicht wahr, nur eine Projektion in unserem Kopf. Ich habe geträumt,
dass ich in einer Donnerwolke von Blitzen evaporiert wurde. Ha, wie
soll ich denn bitte in eine Donnerwolke kommen? Was steht denn heute
in der Zeitung, mal schauen. „Radiergummi schläft erneut zu.
Gestern Abend wurden zwei Passanten und ein Auto vom Radiergummi
wegradiert, welches seit seinem Auftauchen für Angst unter der
Bevölkerung sorgt.“ Meine Güte, das ist sogar hier ums Eck
passiert, hoffentlich kommt es nicht wieder. Ich will wirklich nicht
wortwörtlich wegradiert werden, metaphorisch tut es schon genug weh.
Seitdem sie mich verlassen hat, fühle ich mich irgendwie leer, war
schon seit Wochen nicht mehr richtig draußen. Was ist das für ein
Geräusch? Ich höre meinen Nachbarn durch den Gang rufen: „Raus
hier! Es ist da, raus hier!“ Ich öffne meine Tür um zu sehen, von
was er redet, aber es ist nichts zu sehen. Zwischen der Straße und
meiner Haustür ist Leere, ein Nichts. Ich drehe mich um und sehe,
wie um meine Wohnung herum alles verschwindet. Ich sehe das
Radiergummi, wie es über den Boden wischt und alles mit sich nimmt.
Es gibt keine Möglichkeit mehr für mich, zu entkommen. Wäre ich
heute doch bloß direkt rausgegangen! Jetzt werde ich wohl nie wieder
irgendwo hingehen. Das Radiergummi hat alles um mich herum
wegradiert, ich sitze auf einer kleinen Insel und warte auf mein
Ende, um mich herum nur Leere. Ich sehe draußen ein paar Polizisten,
die wild auf das Radiergummi schießen und versuchen, es aufzuhalten.
Es scheint aber nichts zu bringen, das Radiergummi macht einfach
weiter, es kommt immer näher. Ich schreie, es radiert mir die Beine
weg, dabei fühle ich keinen Schmerz. Ich blute auch nicht. Mein
Körper wird einfach ein Teil des Nichts, bis ich komplett
verschwunden bin.
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