Thursday, July 12, 2012

"Hast du was im Geschichtsunterricht gelernt?"

Ich wurde heute von einer Studentin interviewt und danach musste ich noch einen Fragebogen ausfüllen. Wenn ich mich richtig erinnere war da irgendwie so eine Frage drauf, in der gefragt wurde, ob man was im Geschichtsunterricht gelernt hätte. Die 1 war für: "ich stimme gar nicht zu" und die 5 war für: "ich stimme voll und ganz zu". Oder andersrum, ist ja auch egal, auf jeden Fall habe ich dann eben das beste (die 5) angekreuzt. Das hätte ich bei dem ganz normalen Geschichtsunterricht aber glaube ich nicht gemacht, der von uns war dieses Jahr etwas anders...


Wir hatten erstmal zum Beginn des Jahres ein Gruppenprojekt mit der PH in Ludwigsburg. Wir haben ein Thema also nicht trocken im Unterricht behandelt, sondern mussten es uns selber erarbeiten und hatten dazu eben die Hilfe von den Studenten und wir waren auch im Landesarchiv. Danach gab es einen Nachmittag, an dem meine Klasse und die Parallelklasse in Gruppen von meist 4-5 Schülern ihren Teil präsentiert hat. Mein Thema waren die 50er und wir hatten dazu ein Rollenspiel bzw. eine Talkshow gemacht, weil unser Lehrer sowas von uns haben will und langweilige Präsentationen mit vorstehen und Text labern nicht leiden kann. Finde ich auch gut, so kann man viel bessere Noten rausholen. Die anderen Themen waren dann glaube ich 20er-80er, bin mir nicht mehr so sicher.
Danach haben wir aber nicht das dritte Reich behandelt, wie es eigentlich üblich ist, sondern wir haben das Thema "Migration und Integration" gemacht. Finde ich viel interessanter und hätten wir diese zwei Themen im Jahr nicht bearbeitet, hätte ich die 5 im Fragebogen nicht angekreuzt. Dann hätte ich nämlich nicht wirklich aufgepasst, weil ich es als langweilig empfunden hätte. Und das stört mich an diesem "normalen GU" (Geschichtsunterricht) auch.

Man behandelt zwei Themen (oder mehr, weiß nicht genau) und schreibt danach eine Arbeit drüber und weg damit. Sobald es fertig ist, wird nicht mehr drüber diskutiert und der Lehrer will sonst auch nur den Stoff für die Arbeit durchbringen. Den Schülern alles in den Kopf knallen, damit die es auf ein Blatt Papier kritzeln und danach wieder vergessen. Es wird auch irgendwie nie das ganze behandelt, sondern immer nur so ein kleiner Teil. Man schaut nie über den Tellerrand und wenn man das mal machen will, dann wimmelt einen der Lehrer ab, weil der Stoff für die Arbeit sonst nicht da ist. Wir haben es dieses Jahr eben ganz anders gemacht und hatten dieses Projekt, bei dem wir ganz weit über den Tellerrand des Tellers "Geschichtsunterricht" gucken konnten. Wir haben mit der PH gearbeitet, Gruppenprojekte gemacht, waren im Landesarchiv und haben ein ungewöhnliches Thema behandelt. Dadurch ist bei mir viel mehr hängen geblieben und ich konnte eben bei dem Thema "Migration/Integration" sehen, wie viele in meiner Klasse doch Vorurteile haben und wie viele was gegen Ausländer haben. Wie viele meiner Meinung nach, eine falsche Meinung haben und das habe ich vorher nicht gesehen. Habe ich auch am Ende noch auf den Fragebogen geschrieben.


Mal sehen, wir es nächstes Jahr in Geschichte wird. Ob was hängenbleibt, oder ob ich mich nur langweile. Der Geschichtsunterricht dieses Jahr hat mir aber besser gefallen, als der in den Jahren davor. Wir haben viel diskutiert und konnten über den Tellerrand gucken. Wir haben nicht einfach ein Kleinthema behandelt, Stoff reingedrückt bekommen und den dann in einer Arbeit wieder ausgespuckt.

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