Thursday, February 21, 2013

Fallen

Es regnete, aber ich mochte den Regen, konnte ihn schon immer leiden. Alle sagen immer, dass Regen schlecht ist, aber Regen ist toll. Ich wäre am liebsten spazieren gegangen, im Regen. Aber meine Mutter wollte es nie, sie meinte immer, dass ich krank werden würde. Sie mochte den Regen nicht, für sie war er nur lästig und symbolisierte schlechtes Wetter. Doch durch Regen entstehen die schönsten Dinge, wie zum Beispiel Regenbögen, Blumen wachsen, Dreck wird weggespült. Das wollten wohl die wenigsten verstehen, es gibt auch positive Seiten am Regen, ich sah nie etwas negatives. Immer wenn es regnete, freute ich mich und wollte raus gehen, im Regen tanzen und spielen. Doch ich durfte nie, ich musste immer drinnen bleiben.
In die Badewanne ließ ich immer nur Wasser, welches höchstens lauwarm war. Meine Mutter verstand es nie, sie mochte heißes Wasser am liebsten. Aber ich war anders, ich wollte es nicht so, wie sie es wollte. Wir hatten schon immer Streitigkeiten wegen Dingen, die sie anders sah als ich. Ihre Ansichten waren nicht falsch, aber die entsprachen nicht meinen, das gefiel ihr nicht. Mir gefiel es aber nicht, dass wir uns immer gestritten haben. Es war so laut, ich bevorzugte die Stille.
Viele finden Stille bedrückend doch ich fand sie schon immer entspannend. Niemand sagt etwas, man muss ich nichts anhören und kann den Moment einfach genießen. Auf der Welt wird viel zu viel geredet, Stille wird vernachlässigt. Dennoch mochte ich das Geräusch von Regen, wenn er auf die Dächer prasselt und gegen die Fenster schlägt. In Pfützen landet und sie immer weiter mit Wasser füllt. Wie die Kinder durch die Pfützen rennen und das Wasser platscht. Ich durfte es nie tun. Ich hätte es so gerne getan. Einfach durch den Regen rennen, irgendwohin. Ohne Ziel im Kopf, rennen bis der Regen aufhört und schauen, wo er mich hingebracht hat. Vielleicht würde er mich zu einem Ort führen, an dem ich mich wohl fühlen würde. Regen war nie heiß, deswegen sollte mein Badewannenwasser auch nie heiß sein. Höchstens lauwarm.
Ich ließ meinen Bademantel auf den Boden fallen und stieg in die Wanne, ließ mich ins Wasser sinken und tauchte für einen Moment unter. Taucher sein muss wundervoll sein. Umgeben von Wasser, unendlich viel Wasser. Fische. Ich hatte noch nie einen echten Fisch gesehen, immer nur Bilder. Ich wollte schon immer mal einen in die Hand nehmen und mit vielen Fischen im Meer miteinander schwimmen, als wäre ich auch ein Fisch. Wie ein Taucher mich einfach hinabsinken lassen und die Stille genießen, das leise Geräusch des Wasser genießen, wie es um mir rum ist. Nicht bedrückend, befreiend. Kiemen wären wundervoll, man müsste nicht ständig Luft holen oder sich Sorgen darum machen, dass seine Pressluftflaschen bald ausgehen.

Ich fiel. Hinab, in ein dunkles Loch. Um mich rum war alles verschwunden, das Badezimmer, die Badewanne und auch das Wasser. Links und rechts neben mir nichts, über und unter mir nichts, außer Schwärze. Ich bekam keine Panik, ich versuchte nicht, irgendetwas zu machen. Ich ließ mich einfach vom schwarzen Loch nach unten ziehen, ich wollte wissen wo ich landen würde. Auf einer Wiese? Oder war ich gerade am Sterben, weil ich keine Luft geholt hatte? Fühlt es sich so an zu sterben? So frei, so ruhig. Wenn, dann wäre der Tod etwas schönes und erlösendes. Wie lange würde ich fallen, bis ein Ende kommen würde und würde überhaupt ein Ende kommen? Ich schloss meine Augen und streckte Arme und Beine von mir. Ich atmete tief ein und wieder aus. Ich öffnete meine Augen nicht, ich spürte Wind. Ich spürte Gras unter mir, nasses Gras. Ich spürte ein bisschen Kälte, aber ich mochte Kälte. Ich spürte Regen. Meine Augen gingen von alleine auf und ich erblickte einen wolkenbedeckten Himmel. Ich drehte meinen Kopf zur Seite, spürte das Nasse hohe Gras an meinem Gesicht. Es war so kühl.
Dort lag ich und ließ den Regen auf meinen nackten Körper prasseln, bewegte mich nicht. Das Wasser hatte mich zu einem Ort gebracht, an dem ich mich wohl fühlte.

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