Sunday, February 19, 2012

"Die Ausländer" -Ansicht eines Mitschülers

Am Donnerstag ist in Geschichte mal wieder eine Diskussion ausgebrochen. Thema der Diskussion? Ausländer in Deutschland.
Naja, unser Lehrer musste die Diskussion mit dem Mitschüler schon öfters führen und es nervt ihn auch. Sah ich daran, dass er seinen sonst so gelassenen Ton laut werden ließ. 
Welcher Meinung bin ich? Der von meinem Lehrer (wie so oft(im positiven Sinne)). Wieso? Wegen der Aussagen meines Mitschülers zu "den Ausländern". 

"Die sollen alle raus hier, die haben keine Ahnung" 
"Die können doch nicht mal Deutsch, was machen die dann hier?" 
"Wieso geben wir denen überhaupt Geld, ich zahl für sowas doch nichts. Für sowas zahl ich keinen Cent!"
"Die sind den ganzen Tag nur am Bahnhof und machen nichts."
"Die haben keinen Respekt"
"Die mucken nur rum"
"Die arbeiten alle nur in ihren Dönerbuden!"
Und so weiter.

Mit ihm diskutieren geht nicht gut. Wenn ich es versuche, schmeißt er mir Beleidigungen an den Kopf. Mit meinem Lehrer geht es wohl nur, weil er eben der Lehrer ist und daher eine Respektsperson. -Ja, er hat bei sowas noch ein Fünkchen Respekt, aber nicht viel. 
Mein Lehrer versucht ihn glaube ich immer von einer anderen Meinung... nein, der richtigen Meinung zu überzeugen. Aber die Ansichten meines Mitschülers sind unterste Schublade, so richtig unter der Gürtellinie. -Ich hoffe, dass das keiner als Ironie sieht, seine Ansicht ist wirklich schlimm. 
Überzeugen klappt nicht so richtig. Auch, wenn man ihn überzeugen würde, würde er es sich nur innerlich eingestehen. Er würde es nie zugeben, dafür ist er zu stolz. 

Ich beschränke mich jetzt nach dem langen Gerede auf eine Aussage.

"Würde ich in ein anderes Land kommen, dann würde ich die Sprache lernen, damit meine Kinder eine gescheite Zukunft haben können. Ist doch auch nicht so schwer, man lebt ja in dem Land."

Ich glaube, dass er sich das viel zu leicht vorstellt. Es ist nicht einfach, in einem fremden Land eine komplett neue Sprache lernen. Eine Sprache, von der man keinerlei Grundkenntnisse hat. Deutsch sowieso nicht, da gibt es viel zu viele verschiedene Dialekte. Aber nehmen wir mal.. Russland? Man kennt die Sprache nicht, hat sie in seinem Leben vorher noch nie gehört und muss sie dann lernen. 
Was bringt einem der Beruf (wenn man denn einen hat), wenn man kein Wort versteht? 

"Man kann sich ja Bücher nehmen, so ganz leichte für Kinder. Dann lernt man es ja auch." -Aussage des Mitschülers.

Really? Wie will man sich den bitte durch Kinderbücher ein gescheites Vokabular eineignen, mit dem man sich im Land verständigen kann? Mit "das Haus ist grün" und "der Himmel ist blau" kommt man nicht weit. 

Er beschwert sich eben, dass die Eltern der "Ausländer" nur in ihrer Muttersprache sprechen und ihren Kindern somit keine Möglichkeit bieten, deutsch zu lernen. Womit sie ihnen die Aussicht auf eine gute Zukunft nehmen würden. Man sollte sowas doch verbieten, dass sie nur in der Muttersprache sprechen. 
Mein Lehrer hat ihn daraufhin gefragt, was er machen würde. Ob er weiterhin mit seinen Kindern deutsch sprechen würde, oder in der Landessprache. 
Er meinte, dass er natürlich in der Landessprache mit ihnen sprechen würde um die gerade aufgezählten Punkte zu vermeiden. 

Ihm würde doch das ganze Vokabular dazu fehlen, sich mit seinen Kindern von Anfang an in der Landessprache zu unterhalten. Er hätte es garnicht und müsste am Ende doch zum Großteil auf die deutsche Sprache ausweichen. Sonst würde man seinen Kindern doch auch die ganzen Fehler weitergeben und das ist dann auch wieder nicht gut. Dann ist es besser, wenn man sie zweisprachig aufwachsen lässt und sie außerhalb des Hauses die Landessprache richtig lernen. Zweisprachig aufwachsen hat viele Vorteile.
Weswegen können wohl viele ausländische Kinder (die ja eigentlich Deutsch sind) besser deutsch als ihre Eltern? Sie lernen es außerhalb von ihren eigenen vier Wänden. 

Kurz zurück auf die Sache mit "die Muttersprache verbieten". 
Wieso denn? Man kann es einem Menschen nicht verbieten in seiner Muttersprache zu sprechen, dass wäre, als würde man... einem Vogel sein Nest verbieten. Man kann einem nicht das nehmen, woran er festhalten kann. 
An meiner Grundschule wurde es wirklich verboten. Es durfte nur deutsch gesprochen werden (außer in AG's für Englisch, den Unterricht dafür gab es damals noch nicht), also kein türkisch, italienisch,... 
Natürlich wurde auch gepetzt. Ich habe nie gepetzt, ich fand es ja schon dumm, dass es verboten wurde, in seiner Muttersprache zu sprechen. Sprach also ein Kind türkisch oder sonst was, rannte man zum Lehrer und das Kind bekam eine Strafarbeit. Nicht selten wurden auch die Eltern angerufen, sie sollen bitte mehr deutsch mit ihren Kindern reden. Den oben genannten Mitschüler habe ich als einen von den Petzern in Erinnerung. Aber die ist nicht mehr so stark, ist schon lange her. 

Mir geht solches Gelaber einfach auf die Nerven. Es gibt auch genug dumme Deutsche, die genau das selbe machen, wie "die Türken" oder "die Italiener". -"Die Kanaken" eben. 
Wieso ich es in Anführungsstrichen schreibe? Denkt mal darüber nach, wenn es euch nicht klar ist.

PS: Er hält seine Ansicht für ganz normal.


Edit: Lesen! Sie sitzt ein paar Stühle weiter.

Edit²: In den Familien wird den Kindern oft gesagt, dass sie mehr deutsch reden sollen, weil es die Eltern nicht können. Die Eltern sagen ihren Kindern auch oft, dass sie einen guten Abschluss machen sollen, damit sie eine gute Arbeit und Zukunft bekommen. 

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