Thursday, November 29, 2012

"Ein bisschen Drill ist gut"

Heute haben wir in Pädagogik ein kleines Rollenspiel gemacht, bzw. ein paar aus der Klasse haben es gemacht, der Rest hat zugeguckt. Es ging über eine chinesische Amerikanerin, dessen Name ich vergessen habe, die aber letztes Jahr ein Buch rausgebracht hat. Darin ging es darum, wie sie ihre Kinder erzogen hat und sie hat sie ziemlich krass erzogen. Vorgegeben, was für Hobbys sie haben müssen und es gab auch strenge Regeln. Freundinnen durften nicht übernachten und die beiden Töchter auch nicht irgendwo anders, außer zuhause. Die Mutter hat die beiden also so erzogen, wie es ihr am besten passt. Wollte, dass sie fließend Mandarin und Englisch sprechen und das eine Kind musste Geige spielen, dass andere Klavier. Das Rollenspiel war ein Interview, dass wirklich stattgefunden hat, also eine Nachspiel davon.
Dann kam eben der Satz: "Ein bisschen Drill ist gut." Man soll seine Kinder nicht immer alles aufgeben lassen, sondern sie dran halten. Wenigstens für ein paar Wochen, damit das Kind auch mal was entdeckt und nicht sofort aufgibt, wenn es ein bisschen anstrengend wird. Ohne Fleiß kein Preis und so, kam auch ganz oft. Hat mich an mich erinnert.

Ich hab immer ganz viel machen wollen, hab aber nie alles wirklich richtig lange gemacht. Darüber hab ich schonmal einen Eintrag geschrieben, aber nur bezogen auf die ganzen Instrumente, die ich mal gespielt hab bzw. angefangen und wieder aufgegeben habe. Ich greif es jetzt einfach nochmal auf, damit ich beruhigt schlafen gehen kann.
Das erste, was ich gemacht habe und wo ich mich dran erinnern kann, war Klavier spielen. Ich fand das Instrument toll und wollte es lernen, aber irgendwann bin ich dann nicht mehr zum Unterricht, ich weiß selber nicht mehr genau, wieso. Dann bin ich in den Schwimmverein gegangen und war auch eigentlich richtig gut. Es hat mir Spaß gemacht und ich hab auch mal bei Wettbewerben mitgemacht. Aber dann wollte ich irgendwann nicht mehr und hab es nach ein oder zwei Jahren auch liegen lassen. Es hat mir einfach keinen Spaß mehr gemacht, weil mein eigentlicher Trainer nicht mehr da war und die Neue fand ich blöd. Ich hab es aber ein paar Jahre später mal ganz kurz wieder angefangen, aber auch nur für ein oder zwei Monate. Dann kam noch Tennis zwischen rein, aber auch da hatte ich keinen Spaß mehr dran. Das nächste, an das ich mich erinnern kann wäre dann glaube ich Geige, dass muss irgendwann in der 6. Klasse gewesen sein. Es hielt aber auch nicht lange an, meine Finger waren zu kurz und meinen Eltern war das Risiko zu groß, dass sie die Geige zahlen müssen, weil sie mir hinfällt und eine Geige ist teuer. Also hab ich es auch gelassen und bin ins Judo. Da hab ich dann meinen jetzigen besten Freund wieder gesehen, hier nachzulesen. Aber auch da hab ich aufgehört, weil nur kleinere Kinder da waren und es eben auch nicht mehr wirklich viel Spaß gemacht hat. Was soll ich jetzt tun? Genau, Schlagzeug! Für ein paar Wochen, meine Eltern wollten mir kein Schlagzeug kaufen, also hab ich mir ein E-Bass gewünscht. Aber davor kam noch was anderes. Ich war auf dem Tischtennis Trip, wegen einem Freund und wir sind zum Intersport gegangen. Es lief aber darauf raus, dass wir ein Skateboard haben wollten und ich in dem Jahr zu Weihnachten auch mein eigenes bekommen habe, davor hab ich mir eins geliehen. Ich bin also Skateboard gefahren für etwa ein halbes Jahr oder etwas mehr. Ich hab es nicht richtig hinbekommen, hat keinen Spaß mehr gemacht und ich hab aufgehört.  Kommen wir zum E-Bass zurück. Ich hatte erst keinen Unterricht, fand es richtig toll und hab gerne gespielt und schnell gelernt. Dann hab ich Unterricht genommen, meinen Eltern war es zu teuer und ich hab wieder für mich gespielt bzw. mit meiner "Band" die auseinander gebrochen ist, weil mich mit einem damals sehr guten Freund so sehr gestritten habe, dass wir uns jetzt nichtmal mehr angucken, wenn wir uns über den Weg laufen. Es hielt dann aber noch für einen Monat, bis ich mit dem Bass doch aufgehört habe. Und jetzt?
Jetzt fahr ich seit zwei Jahren Longboard, hab einen Sponsor und extrem viel Spaß daran. Fazit: Ich hab lange gebraucht, aber doch noch was gefunden.

Wie wäre das jetzt gewesen, wenn meine Eltern ein wenig Drill eingesetzt hätten? "Nein, du bleibst im Schwimmverein!" Wäre ich jetzt ein ganz guter Schwimmer, der regelmäßig Wettbewerbe gewinnt? "Jetzt bleib doch mal am Tennis!" Wäre ich auch ganz gut geworden und jetzt erfolgreich damit? "Bleib ab E-Bass spielen, hör wegen sowas doch nicht auf!" Vielleicht wäre ich ja jetzt in einer Band, die ab und zu mal Gigs hat. Oder auch nicht. Hätten mich meine Eltern aber in eine bestimmte Richtung gedrillt, würde ich jetzt mit Sicherheit nicht Longboard fahren. Aber dabei brauch ich keinen Drill, da bleibe ich selber dran.
Ich kann mich noch daran erinnern, wie mein Englisch Lehrer bei meiner ersten GFS darauf reagiert hat, dass ich nicht mehr Skateboard fahre, aber trotzdem eine GFS drüber mache. Er meinte, ich solle doch weitermachen. Aber als ich gesagt hab, dass es keinen Spaß macht, weil ich es nicht schaffe, hat er immer noch gesagt, dass ich trotzdem weiter machen soll. Bis ich es schaffe, nicht aufgeben. Ich merke erst jetzt, drei Jahre später, was dahinter steckt. Ich muss drüber lächeln.

No comments:

Post a Comment