Monday, June 18, 2012

Eine Geschichte #2

Teil 1

*

„Du kommst mitten in der Nacht nach Hause und dann auch noch betrunken? Herr Gott, wo warst du, wir haben uns Sorgen gemacht! Haben sie dich dazu gezwungen zu trinken, haben sie dir weh getan? Rede doch mit uns.“
Ich saß auf einem Stuhl im Wohnzimmer, völlig betrunken und meine Eltern standen vor mir. Meine Mutter völlig geschockt und mein Vater ebenso: „Nein, lasst mich. „Sie“ haben mich nicht abgefüllt, ich wollte das so. Ich habe selber getrunken, es macht Spaß. Solltet ihr vielleicht auch mal machen, dann wärt ihr lockerer.“
„Was ist in dich gefahren? Wie redest du denn?“
„Lass ihn Schatz, er ist völlig betrunken, er weiß nicht, was er redet.“
„Ich weiß nicht was ich rede? Ich weiß sehr wohl, was ich rede und ihr beide habt mir gar nichts zu sagen. Lasst mich jetzt auf mein Zimmer, ich bin müde!“
Was sie dann noch sagten weiß ich nicht mehr genau, aber ich ging auf mein Klo und kotzte. Was wollten die eigentlich von mir? Ich hatte nur meinen Spaß mit meinen neuen Freunden, so macht man das eben. Trinken war in einer solchen Gruppe ganz normal und der Alkohol war auch gar nicht mal so schlecht, mir schmeckte es noch nicht so gut, aber die anderen sagten mir, dass das noch kommen würde. Alkohol würde am Anfang immer scheiße schmecken und irgendwann würde man ihn dann wie Wasser trunken und Vodka oder Rum würde auch nicht mehr in der Kehle brennen. Ob das Kotzen normal war, wusste ich aber nicht. Aber neben der Tatsache, dass ich über der Kloschüssel hing und den Gestank meiner Kotze im Gesicht hatte, ging es mir gut und ich war immer noch glücklich und konnte es auch kaum fassen, endlich Freunde zu haben.
„Geht es dir gut mein Kleiner?“
„Verschwindet, mir geht es super!“, rief ich meinen Eltern zu, sie standen vor der Tür und machten sich Sorgen. Aber auch sie mussten sich an mein neues Ich gewöhnen. Ich war nicht mehr der kleine, brave Sohn, der den ganzen Tag lernt und die besten Noten in der Schule schreibt.
„Wir kommen jetzt rein“, sagte mein Vater durch die Tür.
„Nein bleibt einfach draußen, ich will euch hier nicht haben. Wieso müsst ihr euch immer überall einmischen? Geht einfach schlafen, ihr müsst morgen arbeiten.“
„Und du musst morgen in die Schule“, es war meine Mutter.
„Jaja, ich gehe auch in die Schule, ich stelle mir meinen Wecker. Könnt ihr mich jetzt in Ruhe lassen?“
Sie sagten nichts mehr, aber sie waren auch nicht mehr vor der Tür. Ich übergab mich noch ein letztes Mal und ging auch in mein Zimmer, meine Mutter weinte. Aber das war mir egal, sie würde sich noch daran gewöhnen. Meinen Wecker stellte ich und dann schlief ich auch schon ein. Alkohol macht müde.

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