Friday, June 22, 2012

Eine Geschichte #5



*

Ich stand wieder auf und nahm meine Arme runter. Leon stand mit einer Eisenstange da und starrte auf den Boden, ich starrte auch auf den Boden. Er lag mit dem Gesicht auf dem Boden, Beine und Arme von sich gestreckt, eine große Blutpfütze neben seinem Kopf. Niemand sagte etwas, alle standen nur da und starrten auf die Leiche. Leon kickte ihn mit seinem Fuß um zu sehen, ob er auch wirklich tot war, aber der Dealer zeigte keine Reaktion. 'Oh mein Gott, wir haben einen Menschen umgebracht', dachte ich, 'was machen wir jetzt?' Für fünf Minuten sagte niemand etwas, bis Stefan seinen Mund öffnete: „Ich bin draußen. Ich bin draußen, Leon!“ Er schüttelte seinen Kopf, drehte sich um und rannte weg. Leon schaute ihm nach und drehte sich zu den anderen: „Will sich noch jemand wie dieses Weichei verpissen? Oder bleibt ihr?“ Niemand sagte ein Wort, alle starrten auf den Boden, so wie ich es tat. Ich hatte Angst vor Leon, ich hatte Angst, dass er mich auch mit der Eisenstange schlägt. Außerdem musste ich bleiben.
„Gut, dann müssen wir die Leiche hier wegschaffen.“
„Wie willst du das anstellen?“, fragte ich und bereute es gleich darauf wieder.
„Wie ich das machen will? Was weiß denn ich, denkt ihr doch mal nach!“
'Glück gehabt, ich darf nie wieder irgendwas blödes fragen. Sonst bin ich noch dran und sehe später so aus, wie der Dealer.', dachte ich und bekam noch mehr Angst vor Leon. Er stand da, mit der Eisenstange in der Hand, an der Blut klebte. Er hatte keine Angst, er sah wütend und gereizt aus, als würde er die Stange beim nächsten Wort benutzen, aber dann sagte er was: „Meine Mum hat ein Auto und ich kann ein wenig fahren. Wartet ihr hier und wenn jemand kommt, dann denkt euch irgendwas aus. Ihr kennt mich nicht, wenn ihr erwischt werdet, verstanden? Ich bin bald wieder da.“
Dann saßen wir da, die Leiche neben uns und niemand sagte ein Wort. Wir guckten uns nicht einmal an, wir starrten nur auf den Boden und warteten auf Leon.
Nach 15 Minuten kam er mit einem Auto in die Gasse gefahren. Er stieg aus und öffnete den Kofferraum: „Rein mit ihm, los.“
Wir standen auf und nahmen den Körper vom Boden. Das Blut tropfte noch aus der Wunde. Ich schmiss ihn in den Kofferraum und machte ihn zu.
„Einsteigen, wir fahren zum See. Da wird niemand nach ihm suchen, wir schmeißen ihn von der Brücke.“
Wir stiegen ins Auto, die Brücke war nicht mehr weit, ich war ein gutes Stück gerannt. Sie lag außerhalb der Stadt und kaum ein Auto benutze sie. Wenn es gut lief, fuhren fünf Autos in der Woche über die Brücke, unter der der See lag. Auch der wurde von keinem Menschen genutzt, er war dreckig und an den Ufern sammelte sich Müll an. Wir fuhren keine fünf Minuten, dann waren wir da. Alle stiegen aus dem Auto und Leon öffnete den Kofferraum: „Matze, du nimmst ihn. Werf ihn von der Brücke.“
Ich ging langsam zum Kofferraum und nahm den Körper heraus. Er war schwer und ich musste ihn über den Boden schleifen. Nur Leon sah mir dabei zu, der Rest wendete sich ab und niemand wagte es auch nur, einen Laut von sich zu geben.
„Werf ihn runter.“
Ich warf ihn von der Brücke und guckte zu, wie er ins Wasser fiel.  

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