*
Ich stand wieder auf und
nahm meine Arme runter. Leon stand mit einer Eisenstange da und
starrte auf den Boden, ich starrte auch auf den Boden. Er lag mit dem
Gesicht auf dem Boden, Beine und Arme von sich gestreckt, eine große
Blutpfütze neben seinem Kopf. Niemand sagte etwas, alle standen nur
da und starrten auf die Leiche. Leon kickte ihn mit seinem Fuß um zu
sehen, ob er auch wirklich tot war, aber der Dealer zeigte keine
Reaktion. 'Oh mein Gott, wir haben einen Menschen umgebracht', dachte
ich, 'was machen wir jetzt?' Für fünf Minuten sagte niemand etwas,
bis Stefan seinen Mund öffnete: „Ich bin draußen. Ich bin
draußen, Leon!“ Er schüttelte seinen Kopf, drehte sich um und
rannte weg. Leon schaute ihm nach und drehte sich zu den anderen:
„Will sich noch jemand wie dieses Weichei verpissen? Oder bleibt
ihr?“ Niemand sagte ein Wort, alle starrten auf den Boden, so wie
ich es tat. Ich hatte Angst vor Leon, ich hatte Angst, dass er mich
auch mit der Eisenstange schlägt. Außerdem musste ich bleiben.
„Gut, dann müssen wir die
Leiche hier wegschaffen.“
„Wie willst du das
anstellen?“, fragte ich und bereute es gleich darauf wieder.
„Wie ich das machen will?
Was weiß denn ich, denkt ihr doch mal nach!“
'Glück gehabt, ich darf nie
wieder irgendwas blödes fragen. Sonst bin ich noch dran und sehe
später so aus, wie der Dealer.', dachte ich und bekam noch mehr
Angst vor Leon. Er stand da, mit der Eisenstange in der Hand, an der
Blut klebte. Er hatte keine Angst, er sah wütend und gereizt aus,
als würde er die Stange beim nächsten Wort benutzen, aber dann
sagte er was: „Meine Mum hat ein Auto und ich kann ein wenig
fahren. Wartet ihr hier und wenn jemand kommt, dann denkt euch
irgendwas aus. Ihr kennt mich nicht, wenn ihr erwischt werdet,
verstanden? Ich bin bald wieder da.“
Dann saßen wir da, die
Leiche neben uns und niemand sagte ein Wort. Wir guckten uns nicht
einmal an, wir starrten nur auf den Boden und warteten auf Leon.
Nach 15 Minuten kam er mit
einem Auto in die Gasse gefahren. Er stieg aus und öffnete den
Kofferraum: „Rein mit ihm, los.“
Wir standen auf und nahmen
den Körper vom Boden. Das Blut tropfte noch aus der Wunde. Ich
schmiss ihn in den Kofferraum und machte ihn zu.
„Einsteigen, wir fahren
zum See. Da wird niemand nach ihm suchen, wir schmeißen ihn von der
Brücke.“
Wir stiegen ins Auto, die
Brücke war nicht mehr weit, ich war ein gutes Stück gerannt. Sie
lag außerhalb der Stadt und kaum ein Auto benutze sie. Wenn es gut
lief, fuhren fünf Autos in der Woche über die Brücke, unter der
der See lag. Auch der wurde von keinem Menschen genutzt, er war
dreckig und an den Ufern sammelte sich Müll an. Wir fuhren keine
fünf Minuten, dann waren wir da. Alle stiegen aus dem Auto und Leon
öffnete den Kofferraum: „Matze, du nimmst ihn. Werf ihn von der
Brücke.“
Ich ging langsam zum
Kofferraum und nahm den Körper heraus. Er war schwer und ich musste
ihn über den Boden schleifen. Nur Leon sah mir dabei zu, der Rest
wendete sich ab und niemand wagte es auch nur, einen Laut von sich zu
geben.
„Werf ihn runter.“
Ich warf ihn von der Brücke
und guckte zu, wie er ins Wasser fiel.
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