Tuesday, June 19, 2012

Eine Geschichte #4

Teil 1 --> Teil 2  --> Teil 3

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Als ich aufwachte, brummte mein Schädel und mir war total schlecht, mein Mund war trocken und ich fühlte mich, als hätte ich auf harten Stein geschlafen. Ich schaute auf die Uhr und merkte, dass es schon 10.00 Uhr war und die Schule vor zwei Stunden begonnen hatte. Ich schmiss die Decke auf den Boden und war gerade dabei, mich zu beeilen, als ich merkte, dass es keinen Sinn mehr machen würde. Also ging ich runter ins Badezimmer meiner Eltern und nahm mir eine Kopfschmerztablette. Ein Glas Wasser reichte nicht, ich trank gleich eine halbe Flasche und goss mir den Rest über den Kopf. Dann hörte ich, wie jemand Steine ans Fenster schmiss und ich ging hin um nachzugucken, was es war.
„Komm raus und beeil dich.“
Es war Leon und ich hatte schon fast vergessen, dass ich jetzt in seiner Gruppe war. An den Abend konnte ich mich aber nicht erinnern, da war alles verschwunden. Ich rannte ich mein Zimmer, zog mich um und packte noch schnell meinen Schlüssel und etwas Geld ein. Dann stoß ich zu Leon und den anderen.
„So, heute haben wir was ganz besonderes für dich. Lass dich einfach überraschen und frag nicht, ich werde dir alles nötige auf dem Weg erklären.“
Ich wunderte mich, was Leon wohl für mich hätte, aber ich hörte auf ihn und fragte nicht weiter nach. Ich wollte es nicht riskieren, Stress mit ihm zu bekommen, ich mochte Leon. Ob er wohl auch mal so wie ich war?
„Also Matze, hör zu. Ich kenn da so jemanden, der Gras hat. Aber es ist einfach nur extrem teuer und wir können uns das nicht leisten. Ich will nicht von dir, dass du es kaufst, aber du musst es uns besorgen. Auf einen anderen Weg. Während wir ihn ablenken, gehst du hinten rein und holst dir das Zeug. Es ist neben dem Sofa in der Schublade von so einem kleinen Tisch. Dort sind ein paar Tütchen, du nimmst dir drei und haust danach sofort ab. Renn einfach, wir treffen und an der Brücke, du weißt ja,welche ich meine. Guck nicht nach hinten, einfach rennen. Verstanden?“
„Verstanden,“ stammelte ich und war ganz nervös. Ich sollte klauen, Drogen klauen. Aber ich musste es mache, sonst würde ich zurückfallen. Dann würde er mich rausschmeißen und ich hätte keine Chance mehr, um irgendwie wieder reinzukommen. Ich wäre wieder bei meinem alten langweiligen Leben und würde den ganzen Tag nur lernen. Das wollte ich nicht, ich wollte jemand sein, ich wollte weiterhin in der Gruppe sein. Bei Leon und seinen Freunden, bei meinen Freunden. Ich musste mich zusammenreißen und es durchziehen. Durch die Hintertür reingehen, die Schublade aufmachen, das Zeug nehmen, die Schublade zumachen und rennen. Ich sagte mir einfach, dass ich es packen würde.
„Okay, wir sind da. Siehst du das Haus da vorne? Das weiße? Du gehst hintenrum und an der Hintertür ist ein Fenster. Sobald der Typ aufsteht und an der Tür ist, gehst du leise rein und machst das, was ich dir gesagt habe. Vergess nicht, alles so zu hinterlassen, wie es war. Kann ich mich auf dich verlassen? Gut, dann geh schonmal los.“
Ich machte mich auf den Weg und schlich mich von der anderen Straße hinter das Haus des Dealers. Dann wartete ich an der Hintertür. Er saß auf dem Sofa und guckte fern. Neben ihm der Tisch, er war klein und hatte zwei Schubladen. Auf ihm stand eine Pflanze. Er stand auf, er ging in Richtung Tür. Ich atmete nochmal tief ein und öffnete langsam die Tür. Das Zimmer roch stark nach Rauch, die Luft war dick. Der Fernseher lief noch, er schaute irgendein Fußballspiel. Ich ging zum Tisch und öffnete die erste Schublade. Von der Tür hörte ich Stimmen. 10 Beutel, ich griff hinein und nahm mir zwei raus und dann zur Sicherheit noch einen dritten. Die Stimmen wurden plötzlich lauter, ich machte die Schublade schnell zu und wollte gerade weg, als die Pflanze umfiel. Mein Herz schlug mir bis zum Hals, ich drehte mich um und rannte. Ich hörte noch, wie der Topf kaputt ging und der Dealer sich schreiend umdrehte und mir hinterher rannte.
„Renn Matze!! RENN!“
Ich blickte nicht nach hinten, ich rann um mein Leben. Der Dealer schrie mir irgendwas hinterher, aber ich konnte kein Wort verstehen, ich nahm mein Umfeld nicht war, ich rannte einfach. Bog in jede Gasse, versuchte ihn abzuhängen. Bis zur Brücke war es noch weit, wir waren am anderen Ende der Stadt. Meine Beine machten langsam schlapp, ich war schon gute 10 Minuten gerannt,wagte es aber nicht, stehen zu bleiben. Sackgasse. Ich drehte mich um und wollte wieder rausrennen, dann stand der Dealer auch schon da.
„DU! Her mit dem Zeug! Los, wird’s bald?“
Ich nahm die Beutel aus meiner Tasche und warf sie ihm zu. Er hob sie auf und nahm einen großen Stock, der auf dem Boden lag. Er rannte auf mich zu. Ich stellte mich in die Ecke, hob die Hände über meinen Kopf. Dann hörte ich ein stumpfes Geräusch und einen Körper, wie er auf den Boden viel.
„Scheiße Leon, du hast ihn umgebracht.“

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